Mentale Aktivitäten und Zweisprachigkeit zögern Demenzerkrankung hinaus

Die meisten Menschen haben Angst vor einer Demenzerkrankung. Davor, hilfsbedürftig zu werden, ihren Alltag nicht mehr bewerkstelligen zu können und im schlimmsten Falle in einer entsprechenden Pflegeeinrichtung zu landen. Mentale Aktivitäten im Zusammenhang mit einer Zwei- oder Mehrsprachigkeit können jedoch helfen, den Ausbruch einer Demenzerkrankung über einen längeren Zeitraum hinauszuzögern.

Fremdsprachen erhöhen den Schutz vor Demenzerkrankung

Die Wissenschaft hat längst schon herausgefunden: Laufendes Gehirntraining hilft dem Menschen im Laufe seines Lebens immer weiter. Als gesichert gilt aber auch, dass die kognitiven Fähigkeit bereits am dem rund 20. Lebensjahr abnehmen. Wer seinem Gehirn also fortlaufende Trainingseinheiten verordnet, kann damit für eine langfristige Effektivität sorgen und dem Nachlassen bestimmter Hirnfunktionen ein Schnippchen schlagen, was sich gerade im höheren Alter positiv bemerkbar macht. Der Mensch bleibt also fit und aktiv, eine Tatsache, die auch im Sinne des möglichen Ausbruchs einer Demenzerkrankung von Bedeutung sein kann. Noch besser dran sind Menschen, die neben der Muttersprache eine oder sogar mehrere Fremdsprachen beherrschen, oder bereit sind, diese zu erlernen. Der Effekt: Das Umschalten zwischen den Sprachen wirkt sich positiv aus, erhöht den Schutz vor dem Beginn der Krankheit. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kann eine Verzögerung zwischen drei und fünf Jahren erzielt werden.

Zweisprachigkeit auch im hohen Alter noch erlernbar

Beteiligt an der Übertragung von Gedächtnisinhalten sind einerseits die Nervenzellen, andererseits der Hippocampus. Deren Funktionen werden im Laufe einer Demenz immer stärker beeinträchtigt, die Erinnerungen werden also nur noch eingeschränkt und/oder weiter abnehmend abgerufen. Zweisprachigkeit kann diesen Prozess teilweise stark aufhalten, da die Wechsel zwischen verschiedenen Sprachen die geistige Flexibilität nicht nur fördert sondern nachhaltig steigert. Im Ergebnis bedeutet dies eine bessere Verarbeitung der Erkrankung und ein länger anhaltendes positives Empfinden.

Eine Erklärung für diesen Effekt liefert die sogenannte „Puffer-Theorie“. Sie vergleicht das menschliche Gehirn mit dem Verhalten der Muskeln, die bei erhöhten Belastungen in der Lage sind, zusätzliche Fasern aufzubauen. Einer Empfehlung folgend, können und sollten Menschen mit Symptomen einer Demenz auch dann mit einer Sprachförderungsmaßnahme beginnen, wenn ihr Alter eigentlich dagegen spricht. Hierzu lautet die Devise: Je früher, je besser. Das ständige Wechseln zwischen den erlernten Sprachen hilft letztlich, den natürlichen Schutzmechanismus auszubauen.

Der guten Ordnung halber sollte nicht unerwähnt bleiben, das Hirntraining durch möglichst viel Bewegung und eine entsprechend gesunde Ernährungsweise zu unterstützen. Ergänzend wäre auch ein funktionierendes soziales Umfeld. Alle Faktoren zusammen können den geistigen Verfall aufhalten und somit auch vor dem Ausbruch von Demenzen schützen oder diesen Prozess wenigstens aufhalten.

Die Fähigkeiten des Arbeitsgedächtnisses fordern und fördern

Der Vergleich zwischen dem Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis kann durchaus gezogen werden. Es ist verantwortlich dafür, sich Informationen möglichst kurzzeitig zu merken und sie entsprechend auch abrufen zu können. Beides ist unter anderem für den Beruf entscheidend, wenn es beispielsweise darum geht, Pläne oder Projekte zu bearbeiten und damit verbundene Probleme schneller und besser zu lösen.
Ähnliche Voraussetzung erfüllt das Arbeitsgedächtnis selbstredend auch im privaten Umfeld, etwa dann, wenn es auf Erinnerungen ankommt. Ein gutes Beispiel dafür wäre etwa eine Einkaufsliste, die man zwar im Kopf hat, die man aber beim Einkaufen nicht mehr in Gänze abrufen kann. Hinterher folgt dann leider die Erkenntnis, wichtige Positionen schlicht „vergessen“ zu haben. Gerade Demenzkranke haben Probleme, die Informationen im Kurzzeitgedächtnis abzurufen, wenn sie etwa in einen anderen Raum wechseln, in dem sie etwas holen möchten, um dann nicht sagen zu können, um was es sich dabei etwa zum Zeitpunkt der Entscheidung gehandelt hat. Dies kann dazu führen, einen gelesenen Artikel nochmals lesen zu müssen oder Dinge mehrmals umzusetzen. Auf Dauer kostet das sehr viel Lebenszeit und Lebensqualität.

Die Fähigkeiten des Arbeitsgedächtnisses fordern und fördern

Bei vielen zwei- oder mehrsprachigen Demenzpatienten wäre festzuhalten, dass der Stoffwechsel bestimmter Gehirnregionen stärker gedrosselt wird als bei vergleichbaren Menschen, die nur eine einzige Sprache beherrschen. Ausgleichend sind es jedoch andere Bereiche des Gehirns, die ihre Funktionen über einen verstärkten Stoffwechsel weitgehend kompensieren und ausbauen. Der kognitive Abbau ließe sich entsprechend besser aufhalten bei den Menschen, die sich wechselseitig zum Beispiel auf Deutsch und Englisch unterhalten können. Interessant ist dabei, dass Faktoren wie Bildung, Beruf oder Geschlecht zwar nicht entscheidend sind, die Zweisprachigkeit sich jedoch weitaus positiver bei jenen bemerkbar macht, denen eine Demenzerkrankung droht. Ihnen gelingt es also besser, zwischen mehreren parallelen Aufgaben umschalten zu können. Einiges deutet darauf hin, dass sich die Fähigkeit auch positiv auf den Abbau und Verfall der Gehirnleistungen auswirkt.

Fazit

Unabhängig von Intelligenz und Bildung hilft die Beherrschung von mindestens zwei Sprachen dabei, das Risiko einer Demenzerkrankung zu minimieren und den typischen Krankheitsverlauf hinauszuzögern. Bei der Fähigkeit, mit einer Zweisprachigkeit zu kommunizieren, geht es zusammenfassend um eine Art „mentale Reserve“ des Gehirns, die helfen, Demenzsymptomen mit verbundenem Gedächtnisverlust oder zunehmender Verwirrtheit, erfolgreich entgegenzuwirken.

 Bild: Copyright: michaelheim (Bestell-Nummer:8533705)

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