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Berlin ist in aller Munde. Das war schon immer so. Diese Stadt flimmert, irrlichtert, lockt und verspricht das Blaue vom Himmel. Marlene Dietrich, eine Urberlinerin, sang im Film "Der Blaue Engel": "Männer umschwirren mich wie Motten das Licht, und wenn sie verbrennen, dafür kann ich nichts." Der Text meinte nicht die Stadt, aber er trifft es genau. Natürlich sind es Frauen und Männer, die von diesem funkelnden Moloch angezogen werden. Diese Stadt hat Platz für alle. Manche nennen sie hässlich, andere schwärmen von ihrer Schönheit. Das aber ist es nicht, was sie ausmacht. Es ist das gewisse Etwas, das sich nicht greifen lässt, aber spüren. Die Berliner Luft eben, die droht zum Klischee zu werden. Hier gibt es alles: Verruchtes Großstadtleben mit Schauer- und Aha-Effekt, man denke an das RAW, die Warschauer Brücke, das Berghain und Ähnliches. Hochkultur in den drei Opernhäusern, der Philharmonie und dem Konzerthaus. Es gibt viel Wasser und viel Grün. Es gibt die Kleinstadt, die Villengegenden mit Wassergrundstücken, die Dörfer mit ihren Kötern, die Plattenbausiedlungen, die multikulturellen Städte in der Stadt, eben wirklich von jedem etwas. Und es gibt Nischen für jeden und jegliches. Möge jeder nach seiner Facon glücklich werden, gebot Friedrich II, der Alte Fritz, seinen Untertanen. Sie haben es verinnerlicht, diese Preußen, diese Berliner.

 

Ich bin ein Berliner

Die meisten Berliner Sehenswürdigkeiten liegen östlich der ehemaligen Mauer; die Museumsinsel, das Brandenburger Tor und die Karl-Marx-Allee, um nur drei zu nennen. Die architektonische Einseitigkeit war ein Aspekt der Machtpolitik des Kalten Krieges auf beiden Seiten der geteilten Stadt. Diesen Kampf gewann der Osten 1969 entscheidend mit dem Fernsehturm, eine auf einem 368 Meter hohen Cocktailspieß aufgespannte Discokugel. Das Spiel war zu Ende, die Westberliner wandten sich an Gott und baten diesen um Hilfe. Er reagierte prompt und überredete die Sonne, eine kruzifixartige Reflexion auf die Discokugel zu projizieren, die seitdem als "Rache des Papstes" bekannt ist. Eine Sache, bei der Westberlin klar die Nase vorne hatte war die Konsumpolitik. Und nirgends war dies so offensichtlich wie auf der Tauentzienstr / dem Ku'damm. Kaufhaus des Westens - KaDeWe, Baby.

Das sagt von sich fast jeder, dem es gelungen ist, in dieser Stadt einen festen Wohnsitz anzumelden. Und es sind natürlich die Worte des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, gesprochen vor dem Schöneberger Rathaus im Juni 1963 auf dem Gipfel des Kalten Krieges. Der Berliner ist kein Pfannkuchen, obwohl dieses Backwerk in vielen Bundesländern unter diesem Namen verkauft wird. Der Berliner ist ein handfester Geselle, der nicht zur Schönfärberei neigt. "Da kannste nich meckern", ist das Höchste des Lobes. Meistens kann der Berliner meckern. Das irritiert manche, aber der Berliner meint es nicht so. Er hat ein weiches Herz. Herz und Schnauze eben, wieder so ein Klischee. Früher berlinerte man, was das Zeug hielt. Siehe Zille und seine Figuren. Zilles Milieu befand sich auf der Halbinsel Stralau zwischen Spree und Rummelsburger Bucht. Heute stehen dort Stadtvillen mit Blick aufs Wasser. Während der Teilung der Stadt von 1961 bis 1989 wurde in Westberlin nur noch in Arbeiterkreisen berlinert. Im Osten berlinerten alle, vom Professor bis zum Kohlenträger. Heute hört man den Dialekt weiterhin in der Öffentlichkeit. Nur, dass er vom Sächsischen beeinflusst sein soll, das kommt dem Berliner dann doch blümerant vor. Die ersten Berliner siedelten beidseitig der Spree - auf der einen Seite in der Siedlung Cölln, auf der anderen in der Siedlung Berlin. Bei neuesten Ausgrabungen wurde eine Eichenbohle aus dem Jahr 1183 gefunden. Das offizielle Jahr der Stadtgründung ist 1237. Die Nikolaikirche im heutigen Nikolaiviertel, das nach historischen Vorlagen wiedererstand, wurde 1230 erbaut. Heute ist dieses Viertel zwischen Schloss und Alexanderplatz ein beliebter Ort für Touristen.

Berliner Gemäuer

Gemauert und gebaut wurde immer. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Ergebnisse der Bautätigkeiten sind sehr unterschiedlich. An historischen Gebäuden ist einiges, jedoch nicht gerade viel, erhalten geblieben, bzw. nach dem 2. Weltkrieg, in dem die Stadt stark zerstört wurde, wieder aufgebaut worden. Beeindruckend ist die Straße Unter den Linden mit ihren Prachtbauten, angelegt im 17. Jahrhundert, die ausgehend von der Schlossbrücke bis zum Brandenburger Tor führt. Die Staatsoper, die Humboldt-Universität und andere bekannte Gebäude säumen den historischen Teil dieser Straße. Im westlichen Teil sind es der Kurfürstendamm und das Kaufhaus des Westens (KDW), die in alter Pracht erstrahlen. Die Gebäude des Regierungsviertels lassen sich sehr gut vom Wasser aus betrachten. Überhaupt, auf der Spree schippernd sieht man sehr schöne Seiten dieser Stadt. Das goldene Dach der wiedererrichteten Synagoge in der Oranienburger Straße kündet von neuem Geist und neuer Zeit. Ein weiteres Bauwerk - die Mauer - trennte 28 Jahre lang diese Stadt. Manche hatten sich daran gewöhnt, andere gaben nie auf und drängten auf Veränderung. Als sie 1989 fiel, wurde überdeutlich, welche Wunden sie gerissen hatte. Heute ist sie, bzw. das, was davon übrig blieb, eine Touristenattraktion.

Geschichte, wohin man sich wendet

Es wird wohl kaum einen Ort in dieser Stadt geben, an dem man nicht auf Geschichte und Geschichten stößt. Seit es den Film gibt, sieht man ihre Straßen und Plätze als Kulisse für das Agieren politischer Strömungen. Man kann verfolgen, wie von dieser Stadt zwei verheerende Weltkriege ausgingen. Es gibt Bilder von Größenwahn und davon, wie er endete - eine Stadt in Trümmern. Es gibt Fotos, die zeigen, wie sich am Checkpoint Charlie amerikanische und sowjetische Panzer gegenüberstehen. Man riecht den 3. Weltkrieg schon und hatte dann doch Glück. Überall in dieser Stadt stößt man auf Zeugen der Geschichte, auf Herrscher, die sich ein Denkmal setzten, auf Menschen, denen ein Denkmal gewidmet wurde, auf Gedenkstätten für die Opfer der Geschichte. Ganz normale Berliner schreiben heute diese Geschichte fort.

Bild - Copyright: James Simmonds

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